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Peter I. Schneider
Die Rizk-Moschee in Hasankeyf
Bauforschung und Baugeschichte
Aus dem Schlusskapitel:
Für eine knappe Charakterisierung der historischen Situation Südostanatoliens bietet sich wie kein anderer der Begriff des >Durchgangs< an. Hier kreuzen sich die Wege, die von Syrien nach Zentralanatolien und nach Nordpersien führen, sowie die Routen von Persien nach Anatolien. Von diesen Wegen wurde in alle Richtungen zu allen Zeiten ausgiebig Gebrauch gemacht. Und wenn diese Wege oft auch eine Einladung an neue und konkurrierende Eroberer waren, so haben sie gleichermaßen für den Fluss von materiellen wie ideellen Werten gesorgt.
In diesem geografischen und geschichtlichen Kontext steht die Rizk-Moschee. Nach der Herrschaft der mongolischen IlÌane hatten sich gerade erst kleine politische Einheiten mit relativer Autonomie herausbilden können, als Timur Lenk den Nahen Osten wieder in Unruhe versetzte. In dieser Zeit, genauer im Jahr 1409 n. Chr., veranlasste der Herrscher des kleinen aiyūbidischen Fürstentums in Hasankeyf den Bau einer neuen Moschee am Ufer des Tigris, deren Anspruch an Pracht nicht zu übersehen ist. Die heute noch erhaltenen Bauteile der stetig verfallenden Anlage - Minarett, Portal und Fassade des Gebetsraumes - weisen ein hohes Niveau baulicher und künstlerischer Konzeption sowie handwerklicher Ausführung auf. Dies gilt gleichermaßen für die gesamte Anlage wie für die reiche Dekoration.
Zusammen mit anderen Bauten in Hasankeyf ist dabei während des ausgehenden Mittelalters vor der osmanischen Eroberung im Jahr 1517 aus dem Zusammentreffen verschiedener Bautraditionen eine eigenständige Architektur entstanden, welche die weitere Architekturentwicklung der Südosttürkei maßgeblich mitgeprägt hat. Vor dem Hintergrund der insgesamt spärlichen Überlieferungen stellt der Ort mit seinen erhaltenen Bauten darüber hinaus eine der wenigen kohärenten historischen Quellen dar, die zur Klärung der Geschichte Nordmesopotamiens überhaupt zur Verfügung stehen.
Ziel der Arbeit waren die exakte Dokumentation und Untersuchung des Gebäudes mit den Methoden der archäologischen Bauforschung, die genaue Analyse von Entwurf und Ausführung, die Identifizierung von entwurfsrelevanten Einflüssen sowie die Einordnung in den ereignisgeschichtlichen und architekturhistorischen Kontext von Stadt und Region. Die Untersuchung beschränkte sich dabei jedoch nicht allein auf architektonisch ästhetische Aspekte, sondern bezieht ebenso bauökonomische Gesichtspunkte mit ein, die für das Verständnis des Bau- und Entwurfsprozesses von wesentlicher Bedeutung sind. In der Folge sind daraus auch einzelne Hinweise für die Rekonstruktion der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes zu erwarten.
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