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Deutschland, Österreich, Tschechien und Ungarn, BMBF-Langobardenprojekt
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Verbundprojekt: Untersuchungen und Kartierungen von Sr- und O-Isotopen zur Herkunftsbestimmung ortsfremder Personenverbände während des frühen Mittelalters - Neue Wege der Langobardenforschung - Teilvorhaben: Archäologie
Neue Wege der Langobardenforschung
Location
Im Rahmen des Langobardenprojektes werden neun Gräberfelder aus Mitteldeutschland (Obermöllern, Rathewitz), Mähren (Holubice, Luzice), Österreich (Maria Ponsee, Mödling, Brunn am Gebirge) und Ungarn (Hegykö, Gyirmót-Homokdomb) naturwissenschaftlich analysiert und die Ergebnisse verglichen. Ergänzend sind Analysen des Gräberfeldes von Szólád, Ungarn, anzustellen, welches gemeinsam von der RGK (Uta von Freeden) und der ungarischen Akademie der Wissenschaften (Tivadar Vida) ergraben wurde.
(Abb. 1)
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History
Die Gräberfelder wurden zwischen den 1930er und den 1980er Jahren ausgegraben. Teilweise sind sie bereits vollständig ausgewertet und vorgelegt worden, teilweise geschieht dies parallel zum Langobardenprojekt durch die jeweiligen internationalen Kollegen.
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Objectives
Kern des Langobardenprojektes ist die grundlegende und epochenübergreifend diskutierte methodische Frage, inwiefern es überhaupt möglich ist, Fremde und Migrationen auf archäologischem Weg nachzuweisen. Eine Verifizierung von Wanderungsthesen kann aber nicht mittels archäologischer Arbeiten erbracht werden, sondern bedarf naturwissenschaftlicher Analysemethoden. Hierbei spielen die in den Zähnen archivierten Strontium- und Sauerstoffisotopenverhältnisse eine besondere Rolle, die mit unterschiedlichen geologischen Grundlagen variieren.
Die Beprobung der Skelettreste erfolgt durch die Verbundpartner der Anthropologie in Mainz, gleichzeitig wird durch das geologische Department der Universität Mainz eine Kartierung natürlich verfügbarer Isotopenverhältnisse erstellt.
Durch die quantitativ umfangreichen Strontium- und Sauerstoffisotopenanalysen umfasst die archäologische Auswertung auch Fragen kleinräumiger Mobilitäten. So sind Einblicke in individuelle Lebensläufe zu erwarten, wie die Aufnahme und Integration oder aber die Abgrenzung von Fremden innerhalb von (Bestattungs-)Gesellschaften. Dies betrifft beispielsweise immer wieder diskutierte Phänomene wie Wanderhandwerk, Heiratspolitik oder auch Sklaverei.
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History of Research
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Die frühmittelalterliche gens der Langobarden bietet sich für großräumige Herkunftsanalysen an: Die Wanderungsbewegungen vom mittleren Donauraum über Pannonien nach Italien gilt als Musterbeispiel des archäologischen Nachweises von Migrationen (Abb. 2). Schriftliche Überlieferung und materielle Hinterlassenschaften präsentieren sich in diesem Fall nahezu deckungsgleich.
Die Annahme einer relativ linearen Wanderungsroute wird in jüngster Zeit jedoch kontrovers diskutiert. Eine bereits länger zu konstatierende archäologische Fundlücke zwischen der Niederelbe, wo die Langobarden erstmals ins Blick der römischen Geschichtsschreibung gerieten und dem Mitteldonauraum, geht auch mit einer Überlieferungslücke in den historischen Quellen zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert einher. Nunmehr ist neben kontinuierlichen Wanderungsbewegungen "der" Langobarden auch die Möglichkeit einer zweiten, erst im Mitteldonauraum erfolgten Ethnogenese in Betracht zu ziehen.
Weitgehend offen ist vor diesem Hintergrund die Rolle Mitteldeutschlands, weshalb die Untersuchungen in Sachsen-Anhalt einsetzen. Die Gebiete der frühmittelalterlichen Thüringer liegen inmitten jenes Raumes, welcher gängigerweise als Wanderungsroute der Langobarden angenommen wird. In der materiellen Kultur des 6. Jh. jedenfalls zeigen sich enge Beziehungen zwischen beiden frühmittelalterlichen Gruppen. Neben einer Teilnahme an der langobardischen Auswanderung lassen historisch überlieferte Bündnisse und eine intensive Heiratspolitik aber auch andere Ursachen für die sichtbaren engen Beziehungen möglich erscheinen.
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Previous Activities
Bislang wurden die Gräberfeldpläne der neun Fundplätze digitalisiert, die bislang publizierten Funde und Befunde in eine Datenbank eingegeben. Die ergänzende Materialautopsie erfolgte für mehrere Gräberfelder. Anthropologische und Geologische Proben wurden mit den Projektpartnern in Deutschland und Tschechien gesammelt, die Probenaufbereitung und die eigentlichen Analysen schreiten voran.
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Methods
Kernpunkt des Langobardenprojektes ist die Analyse von Isotopen des Zahn- und Knochenmaterials aus ca. 600 Gräbern. Je nach geologischem Untergrund stehen diese in unterschiedlichen, im Idealfall regional abgrenzbaren Verhältnissen zur Verfügung und werden durch die Nahrung aufgenommen und in dem Körper eingelagert.
Für die These der Wanderung sind es die jeweils ältesten Bestattungen (sog. Gründergräber), die im Fokus der Analysen stehen müssen: Eine ortsfremde Isotopensignatur ist im Fall einer Wanderung nur in deren Reihen zu erwarten, nachfolgende Generationen müssten hingegen bereits die jeweils regional typischen Verhältnisse aufweisen. Um die Werte vergleichen und weitere Fragen der Mobilität beantworten zu können, müssen die Probenmengen jedoch auf eine breitere, statistisch auswertbare Basis gestellt werden, so dass möglichst vollständige Nekropolen untersucht und mit gleichzeitig erstellten geologischen Referenzkarten des verfügbaren Strontiums abgeglichen werden.
Die postulierten Gründer- und Wanderergenerationen gilt es mittels archäologischer Methoden zu identifizieren. Gleichzeitig sollen Gruppenbildungen auf den Friedhöfen ausgearbeitet, Fernkontakte aufgezeigt, Abweichungen oder Entwicklungsbrüche dokumentiert werden, um anschließend die einzelnen Gräberfelder miteinander zu vergleichen.
Weitere Methoden wie z. B. aDNA-Analysen, die allerdings nur an den Individuen der modern gegrabenen Nekropole von Szolad vorgenommen werden, ergänzen das methodische Spektrum.
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Cooperation
- Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle
- Archäologisches Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Brno
- Museum für Urgeschichte des Landes Niederösterreich, Asparn a.d.Z.
- Österreichische Akademie der Wissenschaften, Prähistorische Kommission
- Naturhistorische Museum Wien, Prähistorische Abteilung
- Institut für Archäologie der Eötvös Loránd Universität Budapest
- Archäologisches Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest
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Contact
Dr. des. Daniel Peters
Ur- und Frühgeschichte
Telefon: 069-975818-48
Telefax: 069-975818-38
Email: peters@rgk.dainst.de
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Further Contact Partners
Projektpartner:
Johannes Gutenberg-Universität
Institut für Anthropologie
Colonel-Kleinmann-Weg 2 (SBII)
D-55099 Mainz
Department für Angewandte und Analytische Paläontologie
Institut für Geowissenschaften
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Becherweg 21
55128 Mainz
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Sponsors
Förderinitiative des BMBF "Wechselwirkungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften"
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Bibliography
J. Bemmann, M. Schmauder (Hrsg.), Kulturwandel in Mitteleuropa. Langobarden - Awaren - Slawen. Akten der Internationalen Tagung in Bonn vom 25. bis 28. Februar 2008. RGK. Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte Band 11 (Bonn 2008).
R. Busch (Hrsg.), Die Langobarden von der Unterelbe nach Italien. Veröffentlichungen des Hamburger Museums für Archäologie und die Geschichte Harburgs (Helms-Museum) 54 (Neumünster 1988).
U.v. Freeden, T. Vida, Ausgrabungen des langobardenzeitlichen Gräberfeldes von Szólád, Komitat Somogy, Ungarn. Germania 85, 2007, 359-384.
Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.), Die Langobarden. Das Ende der Völkerwanderungszeit. Katalog zur Ausstellung im Rheinischen LandesMuseum Bonn 22.8.2008-11.1.2009 (Bonn 2008).
W. Pohl, P. Erhart (Hrsg.), Die Langobarden. Herrschaft und Identität. Österr. Akad. Wiss. Phil.-Hist. Kl., Denschr. 329 = Forsch. Gesch. Mittelalters 9 (Wien 2005).
B. Schmidt, Die späte Völkerwanderungszeit in Mitteldeutschland. Katalog (Nord- und Ostteil). Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle 29 (Berlin 1975).
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