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CHIME: Chinese Early Metal: Database - Analyses - Applications
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Erfassung von archäologischen Daten zu vor- und frühgeschichtlichen Metallfunden in China
Location
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Abb. 1. Fundstellen: 1 Zhangjiapo, 2 Xiaohe, 3 Yanchixiang, 4 Agaersen, 5 Baoji, 6 Tuanchang 71.
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Das Studiengebiet umfasst zunächst die Autonome Region der Uiguren Xinjiang und ausgewählte Fundplätze aus anderen Regionen vor allem Nordchinas (Abb. 1).
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History
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Abb. 2. Zhangjiapo. Grab 163, Objekt 33. Tierskulpturgefäß mit identischer Inschrift im Deckel und auf dem Grund des Bauches
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Abb. 3. Xiaohe. Holzfigur mit Bronzeohrring (2000 - 1400 v. Chr).
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Mit dem Auftauchen der Bronzemetallurgie im frühen zweiten Jahrtausend v. Chr. ging in China das Aufkommen von stark hierarchisierten Siedlungsnetzen mit befestigten Orten und Ritual- wie Residenzplätzen einher. Die Bestattungsplätze zeigen eine große soziale Differenzierung mit Konzentrationen von speziellen Ritualgeräten wie Musikinstrumenten und Importgütern in besonders großen Grabanlagen mit mehrfachen Holzsärgen. Zeugnisse aller Gewerke wie Töpferei, Weberei und Feldbau belegen einen beispiellosen Entwicklungsschub. In dieser Zeit tauchen auch die ersten Bronzeobjekte auf. Es handelt sich dabei um Waffen und Geräte wie Messerklingen, Beile, Lanzenspitzen und Ahlen, Spiegel sowie Körperschmuck. Quantitativ waren sie nach bisherigem Kenntnisstand eher unbedeutend. Allerdings tauchen sie zuerst, d.h. vor 2000 v. Chr. in den Berg- und Steppenregionen West- und Nordchinas auf. Weil am Fundplatz Taosi auch eine kleine Bronzeglocke zu diesen frühesten Funden gehört, kann man durchaus davon sprechen, dass die Bronzezeit in China "eingeläutet" wurde. Dass das Wissen vom Herstellungsprozess und den Eigenschaften der Bronze aus Zentralasien über Xinjiang, Qinghai und dem Gebiet der heutigen Inneren Mongolei nach Ostchina vermittelt wurde, steht heute außer Frage. Erst nach 2000 v. Chr. wird Bronze am Unterlauf des Gelben Flusses für die Herstellung der dort wichtigsten rituellen Paraphernalia verwendet: Gefäße für Speise- und Trankopfer.
Mit dem Aufkommen von Bronze geht auch die Entstehung von Staatswesen einher, an dessen Spitze man sich gegenwärtig einen König vorstellt, der gleichzeitig als höchster Priester den staatstragenden Riten vorstand. Jedenfalls bilden Palasthallen und Tempel das Zentrum einiger untersuchter ummauerter Stadtanlagen.
Mit den ersten zentralchinesischen Königsdynastien nahmen Herrschaftsmechanismen ihren Anfang, deren Überleben von zuverlässiger Versorgung mit enormen Mengen an Metall abhing.
Sowohl bei den Shang (ca. 1600 - 1046 v. Chr.) als auch bei den Zhou (1046 - 771 v. Chr.) spielte Bronze vor allem zur Herstellung von massiven Gefäßen und Glocken für staatstragende Rituale, von Waffen und Wagenbeschlägen eine besondere Rolle.
Metallobjekte als Träger langer Inschriften, die Generationen und Jahrhunderte überdauern konnten, waren unerlässlich für die Aufrechterhaltung des Herrschaftssystems. Wegen ihrer Qualität als Kunstobjekte und gleichzeitig als Schriftträger haben shang- und zhouzeitliche Metallobjekte seit vielen Jahren das Interesse von Kunsthistorikern und Sinologen erweckt (Abb. 2). Die Übersetzung der Inschrift bedeutet: "Deng Zhong fertigte (dieses) Opfergefäß".
Der Metallgebrauch bei den Steppenvölkern war zum einen geprägt durch ihre hohe Mobilität, die leichte Transportfähigkeit der Metallobjekte verlangte. Kleinformatiger Schmuck für Pferd und Reiter sind deshalb eine prominente Fundkategorie(Abb. 3). Zum anderen resultierte ihr enger Kontakt zur wilden und domestizierten Tierwelt in einer Bevorzugung daraus entlehnter Motive(Abb. 4).
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Objectives
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Abb. 4. Ordos Region. Plakettenpaar, Feliden mit Beutetieren (5.-4. Jh. v. Chr.).
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In diesem Projekt wird die Frage nach Aufkommen und Verbreitung von Metallen sowie deren Auswirkungen auf Sozialstrukturen und Landschaftshaushalte in China umfassend bearbeitet. Auf Grundlage von chinesischen Grabungsberichten, die räumliche Verteilung und den Wirkzusammenhang von technischen und sozialen Neuerungen im metallzeitlichen China herauszuarbeiten, ist eines der Ziele dieses Projektes.
Im besonderen Blickpunkt stehen die Kontaktgebiete der kernchinesischen Kultur und der Kulturen der Steppenvölker vom späten dritten bis ins ausgehende erste Jahrtausend v. Chr. Bei einem Vergleich des Metallgebrauchs der sesshaften Chinesen und der halbnomadischen Hirtenvölker in den nördlich angrenzenden Steppengebieten können sowohl Übereinstimmungen als auch prägnante Unterschiede aufgezeigt werden, die beide hochinteressante Schlüsse erlauben. Das bronzezeitliche China ist damit besonders gut für Fallstudien zum Kausalzusammenhang von technischen und sozialen Innovationen geeignet.
Sammlungen von frühen chinesischen Metallobjekten in deutschen Museen eignen sich hervorragend als Ausgangspunkt für typologische und archäometrische Studien. Mit dem Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin wurde bereits eine entsprechende Kooperationsvereinbarung getroffen.
Eine zentrale Frage ist, ob der Zugriff auf Metall diesen drastischen allgemeinen technischen Entwicklungsschub und sozialen Differenzierungsprozess auslöste oder zumindest begünstigte, oder ob dieses Wissen von den bereits sehr komplexen nordchinesischen Gesellschaften assimiliert wurde wie anderes Wissen auch, und während einer Experimentierphase bis zur Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. zunächst ohne tiefgreifende soziale Wirkung blieb.
Um diesem Zusammenhang von Ursache und Wirkung auf die Spur zu kommen, müssen flächendeckend archäologische Daten erhoben, klassifiziert, kartiert und miteinander verglichen werden.
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History of Research
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Abb. 5. Chronologische Übersicht über die archäologischen Kulturen und Phasen in Nord- und Nordostchina.
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Seit Beginn der ersten wissenschaftlichen Ausgrabung 1928 in Anyang sind bis heute außerordentlich zahlreiche metallzeitliche Fundplätze in China untersucht worden. Die Ergebnisse der Ausgrabungen und nachfolgenden Analysen werden in überregionalen und regionalen Periodika und Monographien größtenteils in chinesischer Sprache veröffentlicht. Einige Autoren haben sich einer Systematisierung des Fundstoffs angenommen. Die gegenwärtig beste Übersicht über die archäologischen Kulturen der nördlichen und nordöstlichen Steppen Chinas stammt von Wu En Yuesitu (Abb. 5).
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Current Work
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Abb. 6. Yanchixiang, Kreis Yiwu. Bronzespiegel (Dm 7,7 cm, ca. 2. Jh. v. Chr.). |
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Abb. 7. Hortfund Agaersen. Röhrenschaftaxt mit facettierter Klinge (L 20 cm, ca. 10. Jh. v. Chr.). |
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Bronzefunde in Xinjiang
Das heutige Territorium der Autonomen Region Xinjiang bildet neben der AR Innere Mongolei und den Provinzen Qinghai und Gansu eine der interessantesten Kontakzonen von chinesischen und steppennomadischen Kulturen. Landschaftlich vielgestaltig bot es mit Hochgebirgsweiden im Altai und Tian Shan, Oasen entlang der Gebirgsfußzonen und offenen Steppen in den Becken verschiedenen Wirtschafts- und Lebensformen Raum. Archäologische Funde belegen Kontakte der lokalen Siedler zu chinesischen, südsibirischen, zentralasiatischen und sogar mediterranen Kulturen. Das technische Wissen über die Metallerzeugung wurde vermutlich durch dieses Gebiet weiter nach Osten an den Gelben Fluss vermittelt.
Mit der Antikenverwaltung in Xinjiang wurde 2007 eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die auch eine Dokumentation von Metallobjekten der Bronze- und Eisenzeit in den Studiensammlungen der Region beinhaltet. In einem ersten Schritt wurden zwischen Juni und August 2007 mehr als 350 Objekte von etwa 50 Fundorten in acht Sammlungen fotografisch aufgenommen und vermessen (Abb. 6 und 7).
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Methods
Die wichtigsten Arbeitsschritte im Projekt CHIME sind erstens, die Extraktion von Informationen aus chinesischen Ausgrabungsberichten und ihre Übertragung ins Deutsche oder Englische. Zweitens: die kooperative Erhebung von Objekt-Daten vor Ort. Drittens, Eingabe der Daten in eine Funddatenbank (CHARDA: Chinese Archaeological Database).
Mit der Datenbank CHARDA-Xplore wurde ein geeignetes Werkzeug entwickelt, um die an das Material gestellten Fragen klären zu können.
Zum einen werden mit der Datenbank alle wesentlichen Eigenschaften von Fundorten und archäologischen Objekten digital erfasst, die dann für qualitative und quantitative statistische Auswertungen verfügbar sind. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Informationsauswertung in Form digitaler Kartierung.
Zum anderen sollen über die Datenbank Text und Bildmaterial zur chinesischen Vorgeschichte, insbesondere der Bronzezeit, einem breiteren Interessentenkreis ohne chinesische Sprachkenntnisse zugänglich gemacht werden.
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Results
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Abb. 8. Titelseite des Bandes 23 der Reihe Archäologie in Eurasien. |
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Abb. 9. Baoji. Grab BZFM 1. Ringfußschüssel mit vier Henkeln, Selbst-Verschluss-Konstruktion an den Henkeln. |
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Im Rahmen dieses Projektes wurden die Ordosbronzen der Ostasiatischen Kunst-sammlung des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin bearbeitet und als Katalog zur Sonderausstellung veröffentlicht (Wagner/Butz 2007) (Abb. 8).
Von B. Grieß wurden 2007 alle publizierten Metallfunde und Metallanalysen aus der Gesamtpublikation zur Ausgrabung Baoji bei Xi'an, des am weitesten westlich gele-genen Großfriedhofes der Zhou-Dynastie (1046 - 771 v. Chr.) digital erfasst und ins Deutsche übertragen (Lu/Hu 1988). Damit liegen statistisch auswertbare Daten zu Qualität und Quantität von Metallbeigaben in Aristokratengräbern des frühen 1. Jahrtausends im Kerngebiet des chinesischen Reiches vor (Abb. 9).
Bronzefunde in Xinjiang wurden von G. Leube im Rahmen seiner Magisterarbeit, welche 2009 fertig gestellt worden ist, 2007 fotografisch aufgenommen(Abb.10) und mit verfügbarer Kontextinformation vollständig in die Datenbank eingepflegt (Abb. 1). Für Ostchina enthält die Datenbank beispielsweise 840 Fundplatzdaten für die Periode um 2000 v. Chr., die sowohl auf GoogleEarth und GoogleMaps als auch auf externen Kartierungsgrundlagen angezeigt werden können (Abb. 2 und 3). CHARDA-Xplore wurde 2009 mit einer dreisprachigen Oberfläche (Deutsch, Englisch, Chinesisch) partiell online gestellt.
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Cooperation
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Abb. 10. Hortfund 71 Tuanchang. Hohler Bronzering mit geflügelten Stieren (Dm 42,5 cm, ca. 5.-3. Jh. v. Chr.). |
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Abb. 11: Auszug der in CHARDA-Xplore gespeicherten Daten zu Metallfunden in Xinjiang. |
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Abb. 12: Direkt aus der Datenbank erzeugte Fundplatzkartierung auf Satellitenkarten von GoogleEarth. Das Verschieben des Reglers auf der Zeitleiste rechts oben ermöglicht die dynamische Anzeige der Fundorte entsprechend ihrer Datierung. |
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Abb. 13: Kartierung von 840 Fundplätzen der Longshan-Kultur (ca. 2600-1900 v. Chr.) auf einer extern erzeugten Karte. |
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Prof. Zhang Yuzhong
Archäologisches Institut der Autonomen Region der Uiguren Xinjiang
Prof. Li Xiao
Antikenverwaltung Turfan und Turfan-Akademie
Prof. Mei Jianjun
University of Science and Technology Peking
Prof. Dr. W. Veit
Museum für Asiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin
Leitung des Projekts: M. Wagner
Mitarbeiter: D. Hosner, A. Fleck, R. Ehrich, G. Leube, Ch. Roth
Abbildungsnachweis: Zhangjiapo 1999(Abb.2), G. Leube (Abb.3, 6, 7, 10), Wagner/Butz 2007, Seite 56 Katalog-Nr. 46 a-b (Abb.4), M. Wagner, auf der Grundlage von: Wu En 2007 (Abb.5), Lu/Hu 1988, Farbtafel 31.2 (Abb.9), M. Wagner / F. Luan / P. Tarasov 2009 (Abb.11, 12, 13)
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Contact
Prof. Dr. phil. Mayke Wagner
Archäologie Ostasiens
Telefon: 03018-7711-312
Telefax: 03018-7711-313
Email: mw@eurasien.dainst.de
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Sponsors
DAI
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Bibliography
Lu/Hu 1988
Lu Liancheng/Hu Zhisheng, Yu State Cemeteries in Baoji (Beijing 1988).
Wagner/Butz 2007
M. Wagner/ H. Butz, Nomadenkunst: Ordosbronzen der Oastasiatischen Kunstsammlung, Museum für Asiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin (Mainz 2007).
Wu En 2007
Wu En Y. 乌濩岳斯图, 北方迉原考忤学文化研究 - 鿒铜时代至早期铿器时代 [Forschungen zu den archäologischen Kulturen der Steppen des Nordens - Bronzezeit bis frühe Eisenzeit] (Peking 2007).
Zhangjiapo 1999
Zhongguo shehui kexueyuan kaogu yanjiusuo 中国社会科学院考忤研究所, 张家忡西周墓地 [Das Gräberfeld von Zhangjiapo der West-Zhou-Zeit] (Beijing 1999).
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