Objectives
| |
|
|
| |
Abb. 2. Fundplatz Chobonaino. 1975 entdeckte hohle Tonstatuette.
|
|
| |
|
|
| |
Abb. 3. Fundplatz Kakinoshima. Grab mit Textilfasern mit Rotlacküberzug.
|
|
| |
|
|
| |
Abb. 3a. Fundplatz Kakinoshima. Makroaufnahme der Textilfasern mit Rotlacküberzug aus einem Grab.
|
|
| |
|
|
| |
Abb. 4. Fundplatz Toyosaki P. Siedlungsgrabung im Herbst 2008.
|
|
Die Eurasien-Abteilung hat im Januar 2008 mit der Hakodate City Archaeological Organisation eine Kooperationsvereinbarung über gemeinsame Forschungen zum Neolithikum (Jomon-Kultur) bis ins späte Mittelalter auf der Insel Hokkaido geschlossen.
Dabei geht es darum, Grundzüge der bereits vorhandenen Forschungsergebnisse und Kenntnisse der japanischen Partner für ein internationales Publikum aufzubereiten.
Folgerichtig wird damit die nördlichste der japanischen Hauptinseln in Studien zur prähistorischen Besiedlungsentwicklung in Nordostasien (chinesisches und russisches Amur-Gebiet, Primor'e, Sakhalin und Korea) einbezogen. Denn ab ca. 6000 Jahre v. Chr. teilte dieser Großraum einige markante Charakteristika in seiner Gefäßkeramik- und Schmuckproduktion sowie der Gestaltung von Ritualplätzen, die überregionalen multidirektionalen Material- und Wissenstransfer erkennen lassen.
Keramikherstellung setzt nach unserem heutigen Wissensstand mit ca. 14.000 Jahren v.Chr. im südlichen Japan, ca. 12.000 Jahren v. Chr. in der Amur-Region und ca. 9.000 Jahren v. Chr. auf Hokkaido, insgesamt mehrere Jahrtausende vor den frühesten festen Ansiedlungen und Feldbau, ein.
Die Entwicklungsprozesse von lokalen Wildbeutergruppen mit Spezialisierung auf küstennahe Meeresfrüchte zu regional vernetzten bäuerlichen Gemeinschaften zu rekonstruieren, ist Gegenstand des Forschungsvorhabens.
Der Fundplatz Kakinoshima mit Siedlungs- und Bestattungsspuren aus allen Perioden der Jomon-Zeit lieferte beispielsweise den weltweit ältesten nachgewiesenen Rotlack (Abb. 3). Dabei handelt es sich um einen dreischichtigen Lacküberzug auf Textilfasern, für die ein kalibriertes 14C-Alter von 7040 v. Chr. ermittelt wurde. Dieses lackierte Gewebe bedeckte in einer Grabgrube den Körper eines/einer Verstorbenen, Skelettreste haben sich nicht erhalten. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde die Region jedoch durch die Entdeckung einer außergewöhnlich gut erhaltenen Tonstatuette, die mit 41,5 cm Höhe zu den größten jomonzeitlichen Statuetten gehört (Abb. 2). Grabungen am Fundort ergaben, dass es sich um einen Ritual- und Begräbnisplatz mit oberirdischen Steinkreisen aus der späten Jomon-Zeit (ca. 2.200-1.200 v.Chr.) handelt. Die nordjapanischen Kreisanlagen dieser Zeit aus Stein oder Holz in Verbindung mit Bestattungen oder ausschließlich genutzt als Opferplätze, haben Parallelen in Nordostchina. Direkte Bezüge sind bislang nicht belegbar.
Der Siedlungsplatz Toyosaki P (Abb. 4) bietet mit zahlreichen alternierenden Bauphasen und Vulkanaschen die Möglichkeit, eine Landnutzung über einige Jahrtausende hinweg zu verfolgen, die mehrfach durch Vulkaneruptionen unterbrochen wurde. Insbesondere archäobotanische, archäozoologische und paläoklimatische Studien liefern detaillierte Informationen zu saisonalen Nahrungsangeboten, Jagd- und Ernährungsgewohnheiten sowie vorherrschenden Sommer- und Wintertemperaturen und Niederschlagsmengen. Aufgrund der hohen jomonzeitlichen Besiedlungsdichte und dem daraus resultierenden reichen, größtenteils noch unerschlossenen wissenschaftlichen Potential erbaut die zuständige Stadtregierung Hakodate in Minamikayabe derzeit ein Ausstellungs- und Forschungszentrum, in dem auch für diese japanisch-deutsche Gemeinschaftsforschung optimale logistische Rahmenbedingungen geschaffen werden.
|